Therapiefrust

Seit geraumer Zeit graut es mir des Öfteren vor meinen Therapiestunden. Auch heute ging es mir am Ende und kurz nach der Stunde schlechter als vorher. Letzte Woche war ausgemacht, dass ich mich melde, wenn ich Korrekturen am Bericht für die PKV/Beihilfe-Amtsarzt haben möchte. Gemeldet habe ich mich nicht, dafür habe ich heute meine Kopie mitgenommen, auf der ich nochmals kleinere inhaltliche Ergänzungen vorgenommen und Tippfehler etc. verbessert habe. Eigentlich hätte ja nun der Bericht heute vorliegen müssen – tat er aber nicht. Ich habe gar nicht mehr nachgefragt, ob die endgültige Fassung nun fertig ist, sie war ja nirgendwo zu sehen. Am Ende habe ich meine Fassung mit meinen Korrekturen abgegeben. Nächste Woche möchte ich dann endlich die fertige Fassung haben. Letzte Woche Dienstag und Mittwoch habe ich an anderer Stelle auch um die Berichtigung von Tippfehlern und eine Formulierungsänderung gebeten; Lesebestätigungen meiner E-Mails habe ich jeweils bekommen, den Bericht jedoch noch nicht. Auch da werde ich morgen erneut nachfragen. Manchmal habe ich in den Therapiestunden das Gefühl, dass mein Gegenüber überhaupt nicht versteht, was in mir vorgeht und wie mein ‚Leben‘ wirklich aussieht. Die Tatsache, dass ich morgen wieder im Job antreten muss, bereitet mir schon seit gestern Übelkeit. Ich schäme mich für meine ‚Schwäche‘, für all meine objektiven Versäumnisse, die auch nicht schönzureden sind, für meine nicht vorhandene Belastbarkeit, meine Unorganisiertheit usw. Mit Schrecken denke ich daran, was da morgen alles auf mich wartet – Termine, ggf. Rede-und-Antwort-Stehen wegen nicht erledigter, schief gelaufener Dinge, Fragen von Kolleg*innen, ob es mir besser gehe und ich wieder gesund sei – schon heute hatte ich das Bedürfnis ‚NEIN!‘ zu schreien, NEIN, es geht mir im Grunde nicht wirklich besser, mein Körper hat es lediglich geschafft, Bronchitis, Nebenhöhlenentzündung und grippalen Infekt weitgehend zu überwinden. Ansonsten ist alles wie immer – snafu. Und ich möchte am Arbeitsplatz gar nichts mehr erklären, warum ich so miserable Arbeit abliefere, denn um das wirklich erklären zu können, müsste ich andere Personen ganz tief in mein Leben und meine Seele blicken lassen, und das will ich nicht. Ab morgen läuft halt wieder das Hamsterrad mit Terminen, Leistungsüberprüfungen etc. – und ich werde für vier der sechs Stunden morgen etwas vorbereiten müssen, was ‚außer der Reihe‘ läuft, denn ich weiß nicht, welche Kolleg*innen mich vertreten und was sie gemacht haben. Immerhin war dieser Vorschlag von meiner Thera ganz gut – ich werde mich mit den Stunden gleich beschäftigen müssen, alles andere erzeugt noch mehr Druck. Irgendwo in meinem Chaos aus Büchern und Materialien werde ich wohl etwas finden – hoffe ich zumindest. Auf die Aussage, ich könne mich mit Ansage und Planungssicherheit doch noch einmal vier Wochen krank schreiben lassen, damit ich überhaupt eine Chance habe, den Berg aus Chaos, unerledigten und noch zu erledigenden Dingen abzuarbeiten, bin ich dann so richtig ‚angesprungen‘. Bei solchen Dingen stellt sich immer das Gefühl ein, dass die Therapeutin nicht versteht, welche tiefsitzenden Ängste bei mir damit verbunden sind. Ich habe keine Ahnung, ob und wenn ja, wie schnell, der Amtsarzt davon erfährt, und wie er das bewertet. Wenn ich in die MDK-Richtlinien gucke, gibt es da durchaus Passagen, die so ausgelegt werden können, dass mir durch längere Krankschreibungen die psychische Stabilität für eine gaOP abgesprochen werden kann. Ja, meine Thera hat schon recht, dass ich den Amtsarzt nicht kenne, aber allein die Erfahrungen mit meiner PKV sind schon so massiv negativ, dass meine Angst einfach unglaublich groß ist. Ihr ist meiner Meinung nach auch immer noch nicht klar, was es für mich bedeuten würde, auch dieses Jahr keine Mastek genehmigt zu bekommen. Für die Sommerferien sehe ich kaum noch eine Chance, obwohl das der einzige Zeitraum ist, den ich tatsächlich nutzen könnte. Nächste Woche ist Ende Februar, die Unterlagen liegen immer noch nicht alle vor, dann muss ich die Sachen an beiden Stellen einreichen und wer weiß, wie lange eine Entscheidung dauert, und ich brauche ja von beiden Kostenträgern grünes Licht. Meine nicht-trans*-erfahrene Thera meinte dann, PKVs würden sich häufig der Entscheidung der Beihilfe anschließen – im Bereich ‚Psychotherapie‘- Aha, wir reden hier aber von Trans*, und dass meine PKV ungewillt ist, auch nur einen Cent in dem Bereich zu zahlen, steht seit Herbst 2016 fest. Manchmal könnte ich kotzen, wenn ich Zusammenhänge/Sachverhalte im Trans*-Bereich immer wieder erklären muss. Nachdem wir dann die Themen ‚Arbeit‘ und ‚PKV, Beihilfe/Amtsarzt‘ durch hatten, kamen dann noch meine Eltern als Thema dran, und spätestens da hatte ich das Gefühl, mich einfach nur noch in mich selbst zurückziehen zu wollen so wie in dem Gedicht von Alfred Wolfenstein: „Und wie still in dick verschlossner Höhle/Ganz unangerührt und ungeschaut/Steht ein jeder fern und fühlt: alleine“ Genau so habe ich mich im Gespräch gefühlt – allein. Meine Eltern stehen nicht zu mir (meine Schwester ja auch nicht, aber das ist noch etwas anderes), und meine Thera sagt wiederholt zu mir, dass meine Eltern halt so ‚ängstlich‘ seien. Ängstlich????!!!!???? Meine Eltern haben sich entschieden, mich über die Klinge springen zu lassen, damit sie weiterhin ‚gesellschaftsfähig‘ sind und nicht angefeindet werden, was ihrer Meinung passieren wird, wenn andere von mir erfahren. ‚Ängstlich‘ hört sich für mich nach einer Entschuldigung für diese Rückgratlosigkeit an, für die ich am besten noch Verständnis aufbringen soll. F*ck, kann ich da nur sagen. Aber im Notfall fordern meine Eltern dennoch meine Hilfe ein, denn ich bin ja räumlich viel näher dran – dafür bin ich gut genug! Ich könnte immer noch kotzen, wenn ich an dieses Gespräch denke. Am Ende der heutigen Sitzung war ich völlig durch, so durch, dass ich mit dem Auto nur noch die paar Minuten nach Hause gefahren bin und den Rest aller zu erledigenden Dinge zu Fuß gemacht habe. Ich kenne mich zu gut und weiß, wann ich mich besser nicht mehr hinters Steuer setzen sollte, und der Punkt war heute erreicht.

Advertisements

Warten…

Worauf warte ich? Darauf, dass ich mal wieder richtig gesund werde, dass endlich mal alle von der PKV/Beihilfe/Amtsarzt eingeforderten Berichte in einer sprachlich-inhaltlich korrekten Version vorliegen, dass meine Kräfte wenigstens in etwa wiederkommen, dass mal viele privaten und beruflichen Altlasten aufgearbeitet werden können, damit ich nach vorne blicken kann…

Wirklich gesund bin ich immer noch nicht und in den letzten Tagen habe ich recht deutlich gemerkt, dass meine Grenzen schnell erreicht sind. Ich musste ein paar Male meine Wohnung für zwei, drei Stunden verlassen, Dinge erledigen, etwas einkaufen, und während ich unterwegs war, kam dann plötzlich so ein Gefühl von Schwindel-Übelkeit. Zuhause ging dann nur noch ganz wenig, oft war ich so fertig, dass ich geschlafen habe. Immerhin sind die Wäscheberge – teilweise noch vom Spätsommer 17 – weggebügelt. Um das berufliche Zeugs und den Druck durch die verlorenen Stunden muss ich mich ab morgen kümmern. Bevor ich die ganzen Unterlagen bei PKV/Beihilfe abgebe, möchte ich mich noch einmal beraten lassen; auch da muss ich noch Daten und Vorgänge zusammenstellen, was mir jetzt schon seit Tagen im Magen liegt. Immer wieder aufs Neue diesen ganzen Vorgang auflisten, wieder auf die Schreiben gucken, wieder Ereignisse hervorholen, die damit zusammenhängen – das stresst mich nicht nur, sondern ist mittlerweile zu einem absoluten Trigger geworden. Ganz schlimm ist im Augenblick die Dysphorie, besonders dem gegenüber, was da an meinem Oberkörper ist. In meiner Wohnung habe ich mir verordnet, die Binder nicht zu tragen, dafür sehe und spüre ich diese Dinger aber ständig; trage ich die Binder, merke ich momentan, wie schwer mir das Atmen und vor allem das Husten fällt; irgendwie ist da eh ein Druck auf meiner linke Seite oben.  Bin ich unterwegs gewesen, muss ich das ganze Zeugs, beide Binder und Unterhemd, eh ausziehen, weil ich so durchgeschwitzt bin. Dafür ist es dann aber einigermaßen platt gedrückt und bewegt sich nicht. Mehrere Tage lang hatte ich auch wieder mit Krämpfen weiter unten und Blutungen zu kämpfen, die sich nun aber erst einmal wieder verabschiedet haben. Den Gedanken an meine Eltern versuche ich so gut wie möglich wegzuschieben, zum Geburtstag meiner Nichte werde ich mich nicht melden, das bringt nichts (mehr).

Richtig Angst habe ich vor dem, was da hinsichtlich PKV bzw. Beihilfe/Amtsarzt auf mich zukommt. Da muss ich noch so viele ‚Kleinigkeiten‘ vorher abklären, mich noch einmal schlau machen, wie ich am besten vorgehen. Eigentlich ist das absurd, dass zwischen dem ersten ärztlichen Bericht und den jetzt immer noch ausstehenden über ein halbes Jahr liegt. Wer weiß, was meine PKV sich als Nächstes ausdenkt…. und wie Beihilfe/Amtsarzt entscheiden. Schlaflose Nächte fürchte ich inzwischen genau so wie Briefe von PKV/Beihilfe und auch Ärzt*innen etc. ….Ich habe keinen Bock mehr darauf, mehrfach um die Korrektur von ‚Diagnosen‘, Schreiben usw. zu bitten. Ich habe nie die Karte ‚Privatpatient‘ gezogen, aber ich bin so weit, beim nächsten Mal darauf hinzuweisen, wenn der Fehler nicht von mir gemacht wurde und ich darauf bestehe, dass Dinge berichtigt werden, weil ansonsten meine PKV mir Leistungen verweigern kann. Ich habe auch keinen Bock mehr darauf, mich von Sprechstundenhilfen belehren zu lassen, die überhaupt keine Ahnung haben, was eine ungenau/globale Diagnose in meinem Fall bedeuten kann. Was ich beschlossen habe, ist, dass ich solche Praxen ab sofort meiden werde. Dann verzichte ich ggf. auf Trans*erfahrung und versuche, mir wiederholten Ärger zusätzlich zu dem eh schon vorhandenen zu ersparen.

Was tröstet mich in dieser Situation? Leider nur das, was mich auch schon in der Kindheit getröstet hat: Essen. Da muss ich jetzt ganz dringend und genau darauf achten, dass das nicht aus dem Ruder läuft, denn von meinem früheren (vor-Klinik-Psychopharamaka-Zeiten) Normalgewicht bin ich immer noch ca. 20 kg. entfernt, und glücklich macht mich der Umfang meines Körper  nicht, auch wenn ich schon 20 kg abgenommen habe. Das ist nämlich erst die Hälfte.

It’s about to be legendary

Ja, ich höre gerade den Song, in dem diese Textzeile vorkommt….. gerade lief er zufällig im Radio, als ich von meiner Thera nach Hause fuhr. Anfang letzter Woche habe ich vor meinem Körper kapituliert und mich krankschreiben lassen, seit Monaten bin ich dauerkrank und die Situation verschärft sich immer mehr. Schon einmal saß ich bei meiner Thera und sie sagte zu mir ‚Das ist jetzt bitte die letzte Ausnahmesituation.“ und ich habe genickt – wie immer, ja, ja, kommt nicht mehr vor. Doch – kommt vor, wenn man(n) aus diesem Dauerstress aus beruflicher Anforderung, Trans*Stress und sich immer weiter zuspitzenden Ängsten vor der Zukunft nicht rauskommt und permanent nur noch um die Frage kreist, was aus dem eigenen bisschen Leben noch werden soll, wenn kein Hoffnungsschimmer mehr da ist. Ich habe nie etwas anderes kennen gelernt als zu kämpfen, nicht aufzugeben, die Faust in der Tasche zu machen, die Zähne zusammenzubeißen, hart wie na ihr wisst schon ***Stahl zu sein, denn ****herz kennt keinen Schmerz – das sind all die Durchhalteparolen  aus meiner Kindheit, Jugend und auch später noch. Es ist nicht so, dass ich nicht schon mehrfach in meinem Leben habe beruflich kapitulieren müssen, das war vor Beginn der Transition. Dass die Zeit der Transition mit noch mehr und unvergleichlich härteren existentiellen Problemen verbunden sein würde, damit hatte ich nicht gerechnet, und ehrlich, es hat mich arg mitgenommen. Meine Thera sagte heute zu mir, ich sei seit einiger Zeit unversöhnlich hart in meinen Aussagen. Irgendwie hat mich das schon betroffen gemacht, denn im Grunde bin ich innerlich nicht hart und nach außen versuche ich meine Dünnhäutigkeit einfach gut zu verstecken, denn verletzt worden bin ich schon sehr oft, vor allem in den letzten 1,5 Jahren. Vielleicht kommen daher auch meine Wut, mein Zorn, meine schiere Verzweiflung angesichts dieser ganzen Problemen, für deren Bezwingung/Lösung mein Wille nicht ausreicht – meine Gesundheit und mein Nervenkostüm eh nicht. Zeit zum Gesundwerden hatte ich trotz Krankschreibung nicht, denn mir fliegt gerade alles um die Ohren, also beruflich….. das, was ich schon länger geahnt habe, ist nun eingetreten. Allerdings muss ich dringend wieder gesund werden – wenigstens körperlich, und meine Thera ist nicht die erste Person, die mir gesagt hat, dass es auch ins Auge (eher aufs Herz) gehen kann, wenn man(n) permanent über seine Grenzen geht und Krankheiten nie in Ruhe auch mal ausheilen können. Ja, weiß ich, habe ich gesagt, und dabei kroch wieder die Angst hoch, die ich seit Monaten habe, weil ich so scheiße mit mir und meinem Körper umgehe. Was hat das jetzt mit dem Titel dieses Blogeintrags und dem Song zu tun? – Ja, eine Textzeile lautet „How many times will you learn the same lesson?“ Gute Frage – Antwort: Ich will diese Lektion nicht mehr lernen. Ich will dieses Spiel des ‚Quäl dich um jeden Preis, quäl dich für andere, für das System, für die gute Meinung, die andere von dir haben, für deren Anerkennung etc.‘ nicht mehr spielen. Ich habe immer an Leistung geglaubt, mir abverlangt und ich werde immer ein ehrgeiziger Mensch bleiben, aber das Spiel, das ich schon mein ganzes Leben spiele, ist eines, das mich dazu verdammt, falsche Stärke zu zeigen, meinen Wert als Mensch mit beruflicher Leistung gleichzusetzen, mir Durchhalteparolen in absurden Situationen aufzuerlegen, in denen andere schon lange abgewunken hätten. Aber nee, ich muss es wem auch immer ja beweisen (und wer ‚wem auch immer ist‘ weiß ich nur zu gut)….. Das ist ein krankes Spiel, ich weiß, wo es herkommt, und es wird wahnsinnig viel Überwindung und Mut kosten, davon Abschied zu nehmen und nicht zu denken, dass ich ein Versager bin, mein Gesicht vor anderen verliere, weil Situationen eintreten, die sch*** sind und die andere vielleicht nicht nachvollziehen können. Daher: Für mich, meine kleine Welt gilt nun: It’s about to be legendary, und der erste legendäre Schritt wird sein, mich jetzt in aller Ruhe um meine Gesundheit zu kümmern. Der Rest kann warten.

Starr

Das gerade ist ein letztes Aufbäumen, die allerletzte Kraft, die da ist, und die fließt fast ausschließlich in meinen Beruf, doch Fehler passieren mir mittlerweile am laufenden Band, so kaputt und ausgelaugt wie ich bin. Jeden Tag aufs Neue wache ich nach nur ein paar wenigen Stunden völlig fertig auf, wenn ich überhaupt geschlafen habe. Ich setze mich ins Auto und fahre mit Magenschmerzen zur Arbeit, in der Hoffnung, dass mir nichts um die Ohren fliegt, mir keine Person etwas vorhält, etwas von mir einfordert oder neue Dinge bei mir ablädt. Am liebsten würde ich mich unsichtbar machen, geräuschlos sein, damit gar nicht auffällt, dass ich da bin. Appetit oder Hunger habe ich schon seit geraumer Zeit nicht mehr, und wenn ich etwas esse, ist mir hinterher schlecht – das kenne ich auch von früher. Wenn das Aufgeben im Job nicht mit so viel Versagensgefühlen belastet wäre, hätte ich diese Karte vielleicht schon gezogen, aber da ist eben meine Vergangenheit, die lauernd in der Ecke sitzt und grinsend nur darauf wartet, mir zu sagen, dass eine erneute Aufgabe/Kapitulation ja klar war, vorprogrammiert… aus so vielen Gründen. Also stemme ich mich immer noch dagegen, mit aller Macht, die ich noch habe. Natürlich werde ich niemandem mehr gerecht, nicht den Menschen, mit denen ich jeden Tag zu tun habe, nicht dem System, das einen gewissen Standard von mir erwartet, und mir selbst natürlich auch nicht. Wenn ich entscheide, dass der Job nun eben wichtiger ist, dann klappt nichts anderes mehr und dann muss ich zwangsläufig Gedanken an Anträge bei PKV/Beihilfe ganz massiv unterdrücken, denn da lauern so viele Fallen, so viele Unsicherheiten und um da systematisch ranzugehen, bräuchte ich Zeit und Ruhe, die ich nicht habe. Mittlerweile bin ich so unsicher, dass ich selbst bei einzelnen Begrifflichkeiten in ärztlichen Berichten überlege, ob die PKV/Beihilfe mir daraus (wieder) einen Strick drehen könnte, um abzulehnen. Zwischendurch taucht immer mal wieder der Gedanke an der Oberfläche auf, was ich machen soll, wenn die PKV tatsächlich Kostenvoranschläge für alle gaOPs sehen will, und wie ich das machen soll…. wann ich diese Termine machen soll, wann ich mich eingehend mit allen Aspekten der OPs, die auf die Mastek folgen könnten, vertraut machen soll. An solchen Punkten beginnt mein Gedankenkreisen, und dann schiebe ich mich und meine Belange wie immer einfach zur Seite, denn da ist ja der Job, und dort muss ich wenigstens so tun, als ob ich funktionierte. Eigentlich mache ich nichts anderes als all die Jahrzehnte zuvor; ich spiele den Leuten etwas vor. Heute habe ich den vorletzten Bericht ‚eingesammelt‘, auch da musste ich um inhaltliche Korrekturen bitten, am Freitag hoffe ich, den letzten und eigentlich wichtigsten Bericht zu bekommen, und dann… weiß ich nicht, wie’s weitergehen soll – also theoretisch schon, aber meine Verunsicherung und die Angst davor, irgendeinen Fehler beim Antrag zu machen oder irgendetwas zu vergessen, zu übersehen etc. sind mittlerweile so groß, dass ich mich kaum noch traue, etwas zu machen. Zwischen dem ersten und letzten Bericht liegen nun mehrere Monate, und ich bin mal gespannt, ob das bei PKV/Beihilfe/Amtsarzt so durchgeht, denn es sollen ja aktuelle Schreiben sein. Und damit fängt das Gedankenkarussell an, sich lustig  zu drehen, denn bis jetzt hat meine PKV immer wieder irgendeinen Grund gefunden, mir die Kosten für Testo nicht zu erstatten und sich damit gleichzeitig auch abzusichern, dass sie für alle geschlechtsangleichenden Maßnahme nicht in der Pflicht stehen. Irgendwie ist das alles so verknotet und wirr, dass ich vor jedem Schritt fünfzigtausendmal überlege, was wiederum völlig lähmt. Genauso fühle ich mich… innerlich gelähmt, in Schockstarre und nur noch auf das Ende wartend.

Surrender

Es bringt nichts mehr, egal, wie sehr ich mich anstrenge, es führt zu nichts, und ich bin so kurz davor aufzugeben und alles hinzuschmeißen. Es macht keinen Sinn mehr, sich weiter zu quälen, wozu auch?! Es reicht ja eh nie, ich genüge sowieso nie, weder beruflich, noch privat. In all den Jahrzehnten ist so viel Energie verbraucht worden, und geführt hat es zu nichts. Für mich fühlt es sich an wie ein sich immer wieder von vorne drehender Kreislauf des Versagens, und das Gefühl, alleine an dieser Misere schuld zu sein, verlässt mich nicht. Nicht gut genug, nicht leistungsfähig genug, nicht belastbar genug, nicht fröhlich genug, für andere nicht zu ertragen…ich könnte noch viel mehr finden, aber ich lass es sein. Auch das führt zu nichts mehr. Es ist schon klar, dass negative Gedanken und ein negatives Selbstbild nichts Positives nach sich ziehen und auch das erzeugt das Gefühl, halt selbst schuld zu sein. Nur wie ich aus dieser Abwärtsspirale rauskommen soll, weiß ich einfach nicht. Mein Körper tut nur noch weh, meine Seele auch und ich bin körperlich, emotional und psychisch einfach am Ende. Ich habe mittlerweile Angst vor jedem neuen Tag, denn jeder Tag bringt wieder neue Aufgaben, die ich zu erledigen haben, während die alten da alle noch liegen und ich nichts mehr auf die Reihe bringe, aber ständig neue Ansprüche gestellt werden. Mein Körper lässt mich im Stich, innerlich schreie ich, aber wer soll das schon hören? Mein Wunsch? Ruhe, einfach nur Ruhe, schlafen, ausruhen, und das als Kreislauf…..

:-(

Kennt ihr das, aufzustehen und die Tränen bereits in den Augen zu haben, weil alles einfach so furchtbar sinnlos, schwer und erdrückend ist? Der Blick auf den neuen Tag einfach nur heißt, durchzuhalten, sich zu überwinden, zu quälen und es gleichzeitig so leid zu sein?! Eigentlich sehne ich mich nach Ruhe, einfach nur Ruhe, nichts tun müssen, meine Seele und meinen Körper mal zur Ruhe kommen lassen können, mal eine etwas längere Atempause zu haben als nur ein paar Tage, die ich mal wieder damit verbringe, irgendeine Krankheit auszukurieren. Gestern war eigentlich noch alles gut, ich habe das erste Mal wirkliche Fortschritte beim Aufräumen dieses Chaos gemacht und hatte das Gefühl, dass dafür sogar etwas Energie vorhanden war. Vielleicht war das doch schon zu viel gestern – Selbstüberschätzung. Und das Lichten des Chaos heißt lediglich, dass Dinge zusammengepackt, gestapelt und abgelegt und Räume mal wieder gesaugt/geputzt etc. werden können. Da sind die wirklich wichtigen Dinge noch nicht erledigt, die verbergen sich alle in diesen Stapeln, die durchgesehen und sortiert werden müssen. Die Nacht war einigermaßen gut trotz ständigem Hustenreizes, aber heute morgen fühle ich mich einfach schwach, hoffnungslos…. Hier liegt einfach zu viel und ab Montag läuft das Hamsterrad wieder ohne Rücksicht auf Verluste. Allein die Aussicht darauf, was ich alles wieder/immer noch nicht geschafft habe, macht mir Angst, weil es mir um die Ohren fliegen und vorgehalten werden wird. Was sagte meine Thera gestern am Telefon – sie wünscht mir zum neuen Jahr ‚Nerven aus Drahtseilen‘! Wo die herkommen sollen, habe ich mich gefragt. Nerven habe ich schon lange nicht mehr, jedenfalls nicht die, die man(n) braucht, um all diese anstehenden Dinge zu meistern. Blank liegende Nerven, die habe ich seit 2016. Der gestrige Tag hat mir auch gezeigt, dass Gespräche über meine Transition und die Sache mit PKV/Beihilfe/Amtsarzt mich innerhalb von kürzester Zeit so triggern, dass ich das Gefühl habe, ich würde platzen. Auch mit anderen Personen, die trans* sind, mag ich kaum noch darüber reden, weil es eh immer auf dieselben Phrasen hinausläuft. Letztendlich bleibe ich wohl eine Insel – aus der Ferne oder auch der Nähe sind andere zu sehen, zu hören, mehr aber wohl nicht. Lone wolf…

Aha!

Das Jahr ist 1,5 Tage alt und ich habe mir fest vorgenommen, bestimmte Dinge anders – nicht unbedingt besser – zu machen.

Gestern am späten Vormittag bin ich erst einmal an den ‚tiefsten‘ Niederrhein gefahren und dort auf der Promenade und dem Deich spazieren gegangen. Schon zu Hause schien die Sonne so schön und einladend, dass ich nicht widerstehen konnte, und der Spaziergang war toll und hat mir gut getan. Gleichzeitig konnte ich auch mein Auto bewegen, und Autofahren macht mir einfach Spaß. Während des Spaziergangs grüßte eine ältere Frau ganz nett und wünschte mir ein frohes Neues Jahr. Das war einfach ein schöner Moment, und den Neujahrsgruß habe ich natürlich erwidert. Solche Augenblicke sind wertvoll geworden in einer Gesellschaft, die immer mehr verroht, egoistisch und rücksichtslos wird. Es waren viele Personen und -schön für mich – viele Hunde unterwegs, sodass ich beim ‚Hundegucken‘ voll auf meine Kosten gekommen bin. Bei Sonnenschein auf der Promenade habe ich auch meine Eltern angerufen und ihnen ein Frohes Neues gewünscht. Meine Mutter ging ans Telefon und wir haben zwei, drei Minuten miteinander gesprochen, ganz normal, wie mir schien, und vielleicht normalisiert sich das Verhältnis zwischen ihnen und mir allmählich im Laufe dieses Jahres.

Heute morgen habe ich vorsichtig die Vermutung angestellt, dass Bronchitis und Nebenhöhlenentzündung nun wohl (fast) vorbei sind – hat auch lange genug gedauert, denn der 19.12. liegt nun schon etwas zurück. Geblieben ist immer noch der blöde, lästige Husten, aber ich habe nicht wie sonst immer in der Vergangenheit Antibiotika gebraucht, damit es wieder besser wird. Dass es nun zum zweiten Mal geklappt hat, ohne Antibiotika auszukommen, hat meiner Meinung nach auch etwas mit meiner veränderten Ernährung zu tun, die ich für wesentlich gesünder halte und bei der ich doch viel häufiger frisch koche. Topfit fühle ich mich zwar immer noch nicht, aber beim Frühstück zuckte plötzlich der Gedanke an sportliche Betätigung durch meine Gedanken. Seit 2016 bin ich Mitglied in einem Fitness-Studio, bewusst ausgesucht, weil es dort keinen Firlefanz, Chichi etc. gibt, sondern einfach nur die Geräte/Maschinen und das Fachpersonal, das bei Bedarf hilft. Allerdings war ich das letzte Mal Anfang letzten Jahres dort, nach der rechtskräftigen VÄ/PÄ, um die Angaben ändern zu lassen. Also stand ich heute an der Rezeption, grüßte, sagte ‚Frohes Neues Jahr‘ und bekam als Antwort – Nichts! Aha, dachte ich, das ist nicht sehr freundlich. Dann musste ich zugeben, dass ich meine Karte nicht mehr finde (ich weiß gar nicht, ob ich damals überhaupt eine neue habe machen lassen), und der Mann an der Rezeption fing an blöd zu lachen! Aha, dachte ich und wartete noch ein paar Sekunden, ob noch eine Erklärung hinterherkommt. Kam aber nicht. Da ich mir fest vorgenommen habe, mir beruflich und privat Unverschämtheiten nicht mehr gefallen zu lassen, habe ich meinem Gegenüber in die Augen geguckt und sehr direkt ‚Was soll das heißen?‘ gefragt.  Nach einer gestotterten Erklärung händigte er mir dann einen Schlüssel aus und ich konnte mich dann umziehen. Wegen der Umkleide hat es übrigens gar keine Probleme gegeben, schon vor der VÄ/PÄ durfte ich die Herrenumkleide benutzen und das Einzige, was ich immer noch problematisch-unangenehm finde, ist die Tatsache, dass andere Männer meine beiden Binder bemerken könn(t)en. Aber auch heute hat keiner komisch geguckt, was ich ganz beruhigend fand. Bevor ich loslegen konnte, brauchte ich noch meinen Trainingsplan, der allerdings nirgendwo aufzufinden war, weder bei den Herren, noch bei den Damen und auch nicht im ‚Archiv‘ des Studios. Hat mich geärgert, aber so bin ich in den Genuss gekommen, dass alle meine Einstellungen an den einzelnen Geräten noch einmal überprüft wurden. Der Mitarbeiter von der Rezeption hatte mittlerweile einen angemessen freundlichen Ton angeschlagen und versprach, eine neue Karte mit den aktuellen Einstellungen für mich fertig zu machen. Geht doch! Und ehrlich gesagt, bin ich ganz froh darüber, denn die alte Karte ‚zierte‘ nämlich noch der dead name und ich habe auf Zwangsoutings einfach keinen Bock mehr, schon gar nicht, wenn in Hörweite andere Personen trainieren und alles mitbekommen. In solchen Kontexten wie dem Fitnessstudio will ich einfach stealth leben, auch wenn manche vielleicht die Wölbung im Brustbereich irritieren mag. Ach ja, und eine neue Karte werde ich mir auch machen lassen. Was hat mir die Sache im Studio nun gezeigt? Vor Testo hätte ich vielleicht an einem schlechten Tag angefangen zu weinen, vor ein paar Wochen hätte ich mich vielleicht auf dem Absatz umgedreht, wäre gegangen und hätte mich tierisch aufgeregt. Nee, ich wollte trainieren und ich habe trainiert, und gefallen lasse ich mir nichts mehr. Abgesehen davon bin ich gerade recht begeistert von mir, weil ich es geschafft habe, etwas für mich zu tun, und dass mir das Training gut tut, habe ich gemerkt.

Bye Bye

Silvester, letzter Tag des Jahres und immer noch bin ich krank, aber heute trotz des Datums in gar nicht mal so schlimmer Weltuntergangsstimmung. Vielleicht ein bisschen wehmütig, vielleicht ein ganz klein wenig hoffnungsvoll und zuversichtlich, aber irgendwie – typisch für mich – trotzig, bockig, renitent.

Ich bin immer noch da – trotz diesen Jahres, all der Krankheiten und sich aneinanderreihenden Krisen- und Ausnahmesituationen. Irgendwie hat mir dieses Jahr auch gezeigt, dass ich aushalten kann, sogar noch mehr als früher, was ich nie gedacht hätte. In diesem Punkt habe ich vor Kurzem auch eine Gemeinsamkeit mit einem meiner verstorbenen Großväter entdeckt, bei dem ich immer gedacht habe, dass er doch so ganz anders war, als ich es bin. Manchmal braucht man(n) doch lange, um Parallelen zu entdecken, aber irgendwie rührt es mich an, dass ich dieses ‚Mehr‘ nun gefunden habe, obwohl ich es ihm nicht mehr sagen kann.

Es ist knüppeldick gekommen und ich hoffe, ich schreibe nicht noch Schlimmeres herbei – ich möchte das nämlich nicht austesten, ob da im Negativen noch ein bisschen mehr geht. Nee, das muss echt nicht sein. Aber manchen möchte ich jetzt, am Ende des Jahres, am letzten Tag 2017 am liebsten entgegenschreien ‚Ich bin immer noch da, ihr habt mich nicht kleingekriegt, nicht in die Knie gezwungen, ich habe nicht kapituliert und ihr wisst womöglich gar nicht, dass ihr euch mit einem Mann angelegt habt, den ihr womöglich gar nicht als Mann anerkennt, der aber zäh ist, einen langen Atem hat, aushalten kann, leidensfähig ist und vor allem eins: nicht kapitulationswillig. Ihr habt euch mit dem Falschen angelegt, vertut euch mal nicht, ich habe einen  langen Atem, auch wenn zwischendurch mal Tränen fließen, Porzellan zerschlagen und heftig geflucht wird und der Satz ‚Ich mag nicht mehr‘ eine ganz tiefe existentielle Bedeutung hat. Vertut euch nicht, mich kriegt ihr nicht so schnell klein, auch wenn ihr mich für ein bisschen naiv und dumm haltet. Ihr könnt euch noch so mächtig wähnen, das Cistem/System hinter euch haben und eure primitive Macht mir gegenüber gebrauchen und glauben, ihr hättet damit tatsächlich Macht über mich. Vertut euch nicht, ihr seid mit all euren ‚Machtinstrumenten‘ eigentlich ganz kleine, armselige Personen, Bullys, die solche Dinge nämlich nötig haben, um sich anderen gegenüber aufzuwerten. Vertut euch nicht, unterschätzt mich (und andere) nicht. Ich bleibe, auch wenn es euch nicht gefällt und passt, wenn es euer ‚heiles‘ Weltbild angreift und ins Wanken bringt, wenn ihr meint, ihr könnt bestimmen, wer sich ‚Frau‘ oder ‚Mann‘ nennen darf und ob es auch noch andere Identitätsmöglichkeiten gibt. Ihr bestimmt das nicht, vertut euch mal nicht. Wenn ihr bei pillepalle-0815-Standard-Problemen bereits die Fassung verliert, aufgebt, vor euch hinleidet, rumheult oder ausrastet, grinse ich im Inneren häufig herablassend und denke ‚Weicheier‘. Meinen Platz räume ich nicht, damit ihr euch besser fühlt, meine Ansprüche gebe ich nicht auf, damit ihr wieder eure Ruhe habt. Vertut euch nicht – ich habe einen langen Atem.‘

Just some random thoughts

Noch nie war ich in einem Jahr so andauernd bzw. mit so kurzen Abständen so krank gewesen – also rein körperlich, meine ich jetzt. Mein ganzer Körper tut weh, wie eine einzige große Wunde, und wenn ich mich doch mal – wie in den letzten Tagen – im Spiegel ganz ansehe, gucke ich auf diese monströsen XXXXXX, mit denen ich gezwungen bin herumzulaufen, und auf die entzündeten/aufgekratzten Stellen im Brustbereich, die durch das doppelte Abbinden natürlich nicht besser werden oder heilen. Noch nie habe ich so häufig und so andauernd darüber nachgedacht, warum ich das eigentlich alles aushalte und warum ich überhaupt weiterlebe. Noch nie war ich so übermüdet, hypernervös, überreizt, hoch aggressiv etc., sodass ich hochgehe wie eine Rakete, mir ständig alles aus den Händen fällt, ich ständig -auch wichtige – Dinge vergesse, ständig gegen irgendetwas laufe, mich stoße, etwas verlege, etwas verliere (so wie mein privates Handy, das gestern irgendwo irgendwann auf der Heimfahrt in einem der drei Züge oder an einem der Bahnhöfe verloren gegangen ist) oder Dinge einfach nicht wiederfinde, weil ich sie irgendwo abgelegt habe und in meinem Chaos nicht wiederfinde. Mein KFZ-Versicherer hat meine neue Beitragsrechnung mal an meine alte E-Mail-Adresse geschickt, warum sollte man auch eine neue übernehme?! In Schreiben von anderen Stellen werde ich immer noch mit ‚Frau‘ (plus neuem Namen) angeredet oder in Angaben steht immer noch der vollständige alte  Name, und ich bin es so leid, zum x-ten Mal darum zu bitten, das nun endlich zu ändern. Mein Vermieter und seine Familie unten im Erdgeschoss grüßen mich nicht mehr seit Anfang des Jahres klar ist, was mit mir ’nicht stimmt‘. Über die beruflichen Dinge, die mir seit Mitte 2016 immer mehr den Boden unter den Füßen weggezogen haben, schreibe ich hier öffentlich nicht, aber ich hätte mir nie vorstellen können, dass mir solche Sache mal passieren. Hier liegen so viele unerledigte Dinge, dass ich nicht mehr weiß, wo ich anfangen soll. Ich könnte so kotzen…. und ich mag nicht mehr.

Immer noch, nach all diesen vielen Jahren/Jahrzehnten, mache ich immer wieder denselben, alten Fehler, dass ich meine eigenen Grenzen nicht achte bzw. nicht  verteidige oder gar nicht wahrnehme. Immer wieder stimme ich Dingen zu, die für mich nicht gut sind und von denen ich schon vorher weiß, dass sie mir Unbehagen bereiten. Ganz oft stellt sich direkt ein inneres oder Bauchgefühl ein, das signalisiert, dass ich etwas eigentlich nicht möchte….. und dennoch mache ich immer noch viel zu viele Dinge, die hinterher auf mich zurückfallen oder mich emotional/psychisch beschädigt zurücklassen. Ich kenne das Muster ja, ich weiß auch, wo das herkommt, nur das aktive Dagegenhandeln fällt mir immer noch unendlich schwer – eingetrampelte Pfade sind schwer zu verlassen, neue einzutrampeln ist sehr mühsam und der Mensch – ich eben auch – ist doch oft ein Gewohnheitstier. Mir ist auch klar, warum es mir so schwerfällt, anderen ein ‚NEIN!‘ entgegenzusetzen, meine Bedürfnisse zu artikulieren und dann auch noch durchzusetzen – denn dann könnte ich andere ja vor den Kopf stoßen, nicht höflich, rücksichtsvoll, gefällig, kompromissbereit und früher als ‚Mädchen/Frau‘ eben lieb und nett sein. Ich könnte Liebe, Zuwendung, Aufmerksamkeit, Zuneigung, Freundschaft, Anerkennung etc. entzogen bekommen, wenn ich mich ‚renitent‘, ‚eigensinnig‘ und nicht als gefälliger Jasager zeigen. Und leider haben die Jahre 2016/2017 diese bei mir seit früher Kindheit bestehende und ganz tief sitzende Angst auch bestätigt – ich habe Menschen, die mir etwas oder auch sehr viel bedeuten, verloren, weil ich eben bin, wie ich bin, weil ich es gewagt habe, mich endlich gegen eine mir von außen zugeschriebene Identität zu stellen, die gar nicht meine war, und dennoch ist dieser Mut der absolut letzten Verzweiflung bis jetzt nicht belohnt worden. Das Leben davor war ein Hölle, das Leben jetzt, mit all diesen Problemen, ist eine noch schlimmere Hölle. Das, was ich als kleines Kind schon gedacht habe ‚Du darfst es niemandem sagen, sonst passiert etwas Schlimmes‘ hat sich leider bewahrheitet. Nach dem ‚Warum‘ wage ich nicht mehr zu fragen. Zitat ‚Die Toten Hosen‘: Vielleicht stimmt es ja doch, dass das Leben ein Prüfung ist, in der wir uns bewähren sollen.‘ Ich mag nicht mehr von anderen gesagt bekommen, dass ich noch dieses oder jenes tun muss, das erledigen, das noch schultern muss oder warum ich dieses oder jenes nicht gemacht habe….. Ja, mag sein, dass das einzeln betrachtet alles kleine Dinge und nicht der Rede wert sind. Wenn allerdings bereits das Aufstehen am Morgen eine echte Leistung ist und das Überstehen der Arbeit eine Heldentat, dann ist keine Energie mehr da, um noch ganz viele andere Sachen zu erledigen bzw. lieber selbst zu machen und sie nicht anderen zu überlassen. Manchmal frage ich mich, wer von all diesen anderen um mich herum diese Situation so lange ausgehalten hätte, wer das alles hinbekommen hätte… aber das ist müßig, sich das zu fragen, denn es ist mein Leben und nicht das der anderen.

In mindestens einem Blogeintrag habe ich mal geschrieben, dass ich nicht noch einmal in eine Klinik gehe, weil mir das inhaltlich/strukturell nichts bringt und die ganzen Probleme vor allem mit PKV/Beihilfe/Amtsarzt/Familie auch nicht löst. Vor zwei Tagen habe ich erneut darüber nachgedacht und mir fest vorgenommen, dass ich 2018 weder meinen Körper, noch meine Psyche/Seele weiter malträtieren werden, damit andere (Schule/Beihilfe, Familie, PKV etc.) zufriedengestellt werden. Sollte das so weitergehen wie seit Herbst 2016, lasse ich los……und da es zwei Arten von Loslassen gibt, habe ich die Option mit der Klinik doch wieder in Betracht gezogen. Es gibt keine andere Person, die auf mich aufpassen kann, die mich vor diesem Raubbau schützen kann als mich selbst – andere Instanzen fallen weg. So eine Art Rettungsanker habe ich bereits aktiviert. Eine ärztliche Person habe ich gebeten, mich im absoluten Notfall sofort aus dem Verkehr zu ziehen und mich auch nicht wieder nach ein oder zwei Tagen gesund zu schreiben, egal wie sehr ich darum bitte. Mittlerweile bin ich so weit, dass ich immerhin (theoretisch) bereit bin, mich für mich selbst, mein körperliches und seelisches Wohlergehen zu entscheiden statt für Disziplin und Pflichterfüllung – und das ist schon ein deutlicher Fortschritt für mich.

Meine Hoffnung für 2018 ist, dass es doch besser wird. Als ‚alter‘ Pessimist würde ich folgendes Zitat aus ‚Faust‘ wählen: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ Dagegen sollte ich vielleicht Folgendes setzen: „Think positively! Monsters don’t sleep under your bed, they sleep inside your head.“ Und vielleicht als Letztes, um mit dem alten Goethe auch zu enden: „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ In diesem Sinne….